Holzhaus ohne Leim bauen

Holzhaus ohne Leim

Holzhäuser erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Aus vielerlei Gründen wählen viele Häuslebauer immer wieder die Bauweise aus Holz und ziehen diese anderen Baustoffen vor. Ohne jeden Zweifel gibt es viele gute Argumente, ein Holzhaus zu bauen. Ein Haus aus diesem beliebten Naturbaustoff zu errichten, ist jedoch eine echte Kunst, vor allem, wenn man auf Hilfsmittel aus anderen Stoffen verzichten möchte, beispielsweise auf Metallteile wie Schrauben oder Nägel oder auf Leim als Verbindungselement. Wie man ein Holzhaus ohne Leim bauen kann, das erfährst du hier. 

Was ist Leim und wozu dient er?

Um zu wissen, warum du beim Bau eines Holzhauses auf Leim verzichten solltest, ist es zunächst wichtig, zu wissen, was Leim überhaupt ist, wozu er dient und welche Nachteile er besitzt. Es gibt verschiedene Arten von Holzleim, die verwendet werden können. Dazu zählen etwa Glutin- oder Heißleim, Kaseinleim aus Kasein und Kalk, Harnstoff-Formaldehydharzleim aus verschiedenen Kunstharzarten, EP-Leim aus Epoxidharz, MUPF-Leim mit dem Hauptbestandteil Melamin oder PMDI-Leim (Polymeres Diphenylmethandiisocyanat).

Mit diesem Leim können beim Bau eines Holzhauses verschiedene Komponenten miteinander verbunden werden. Der wasserfeste und meist lösungsmittelfreie Holzleim wird auch als Reaktionskleber bezeichnet, nutzt Feuchtigkeit zum Aushärten und fungiert sozusagen als hochwirksamer Klebstoff. Der Nachteil besteht darin, dass viele Leimarten als gesundheitsgefährdend gelten und eventuell giftige Dämpfe entwickeln. Wenn du Leim verwendest, solltest du deshalb unbedingt auf die Art und Menge des Leimes achten. 

Holzhaus ohne Leim bauen unter dem Aspekt der Baubiologie

Wer sich für ein Haus in Holzbauweise entscheidet, der tut dies meist auch unter dem Aspekt der sogenannten Baubiologie. Diese kann das Leben im Haus sowohl positiv, als auch negativ beeinflussen und für Harmonie, Wohlbefinden und Gesundheit sorgen oder zu Stress, Unbehaglichkeit und sogar Erkrankungen führen. Nachweislich ist die Holzbauweise und der Verzicht auf Leim besonders für Asthmatiker und Allergiker gut geeignet. Dafür verantwortlich ist meiner Ansicht nach vor allem das durch die Bauweise entstehende Wohnklima, das hauptsächlich beeinflusst wird durch: 

  • die verwendeten Baustoffe
  • die Qualität der Raumluft
  • das Elektro- und Heizungsklima des Hauses
  • die Sonnenlichteinstrahlung
  • die Möblierung des Hauses 

Vor allem die Baustoffe beeinflussen hier die spätere Qualität der Raumluft. Wenn du beim Bau des Hauses beispielsweise Holzleim verwendest, kann dieser bei hohen Temperaturen Dämpfe freisetzen, die nicht nur zu einer minderen Qualität der Umgebungsluft führen, sondern sogar gesundheitsschädlich wirken können. Natürlich gibt es Leimarten, die als sehr umwelt- und gesundheitsfreundlich eingestuft sind und die du ohne großes Risiko verwenden kannst. Am sichersten fährst du aber, wenn du von vornherein auf solche Klebstoffe beim Bau deines Holzhauses verzichtest und alternative Methoden ausprobierst. 

Alternative Verbindungselemente für Holzbauteile

Aufgrund meiner Praxis im Holzhausbau weiß ich, dass es sehr effektive Alternativen zum Verbindungsbaustoff Leim gibt. Viele Hersteller von Holzhäusern arbeiten beispielsweise mit sogenannten schwalbenschwanzförmigen Massivholzgratleisten, mit denen sie nebeneinanderliegende Holzteile verbinden. Der Vorteil besteht in der hohen Stabilität. Zudem werden die Gratleisten eingefräst, wodurch es keine optischen Nachteile gibt. Neben dem „Vergraten“ gibt es noch das nach ähnlichem Prinzip funktionierende „Verkämmen“ von Massivholz-Elementen, die so vollkommen ohne Leim- oder Metallverbindungen auskommen und extrem formstabil, tragfähig und in hohem Maße luftdicht sind. Selbst bei auftretender Feuchtigkeit gibt es in der Regel keine Maßveränderungen. Mit dieser Methode kannst du auch mehrgeschossige Gebäude mit sehr stabilen Dach-, Decken- und Wandelementen errichten.

Als wirklich gute Methode erachte ich sogenannte „Kerbige“. Ein Kerbig ist nichts anderes als ein Dübel beziehungsweise eine Schraube, die aber nicht aus Metall besteht, sondern aus extrem hartem Holz gefertigt wird. Solche Holzschrauben halten auch massive Holzelemente ohne Probleme dauerhaft und effektiv zusammen.  

Metall als alternativer Baustoff zum Leim

Wenn du dem Hauptbaustoff Holz durch einen weiteren Baustoff verstärken möchtest, kannst du natürlich auch zu Metallverbindungen greifen, etwa in Form von Schrauben, Nägeln oder Winkeln. Dabei solltest du aber immer bedenken, dass Metall bei auftretender Feuchtigkeit eventuell anfällig für Korrosion ist. Ich empfehle dir, solche Metallbauteile nur sehr sporadisch zu verwenden, denn ein Holzhaus ohne Leim bauen ist nur dann sinnvoll, wenn du auch auf andere Baustoffe verzichtest, die die Baubiologie deines Eigenheimes in irgendeiner Weise negativ beeinflussen. Auch Metallrohre, Styropor-Elemente oder für die Gesundheit abträgliche Kunststoffleitungen gehören nicht in solch ein Holzhaus. Wenn du die Baubiologie bei deinem Holzhaus beachten möchtest, dann bleibe konsequent. 

Holzhaus ohne Leim bauen

Holzhaus ohne Leim bauen – Vorteile dieser Bauweise

Ein Haus ausschließlich aus Holz zu bauen, hat viele Vorteile. Auf Baustoffe wie Leim und Metall zu verzichten, ist nicht nur gut für die Wohnqualität und Gesundheit, sondern kann dir auch dabei helfen, Geld zu sparen. Holz ist ein lebendiger Baustoff, der beispielsweise durch seine Fähigkeit zur Aufnahme von Feuchtigkeit dafür sorgt, dass du in einem ausgewogenen Raumklima lebst. Zudem lassen sich auch mit Holz alle nur denkbaren architektonischen Wünsche erfüllen. Aufgrund des niedrigen Gewichts ist ein Holzhaus eine gute Lösung, wenn du auf schwierige Bodenverhältnisse triffst. Viele Bauelemente eines Holzhauses lassen sich vorfertigen, wodurch sich die Bauzeit gegenüber einem Massivhaus deutlich verringert. 

Nachteile, die man für ein Leben im Holzhaus in Kauf nimmt

Neben zahlreichen Vorteilen gibt es auch kleinere Nachteile, die sich ergeben, wenn man ein Holzhaus errichtet. Da wäre zunächst einmal die Tatsache, dass Holz ein Baustoff ist, der noch eine gewisse Zeit „arbeitet“, nachdem man ihn verbaut hat. Dadurch, dass das Holz weiterhin an Feuchtigkeit verliert, kann es zu knackenden Geräuschen kommen. Zudem wird sich das Gebäude noch „setzen“ und in seinen Ausmaßen ganz leicht verändern. Wenn du ein Holzhaus ohne Leim bauen möchtest und auch auf andere Mittel wie Lackierungen verzichtest, musst du damit leben, dass das Haus deutlich witterungsunbeständiger und auch anfälliger für Ungeziefer- und Schimmelbefall ist. Außerdem gelten Holzhäuser, anders als Massivhäuser, als besonders hellhörig. All diese kleinen Mankos vermögen meiner Meinung nach aber nicht, die extrem hohe Wohn- und Lebensqualität in einem Holzhaus aufzuwiegen. 

Kosten sparen beim Holzhaus ohne Leim

Ein sehr wichtiger Vorteil, wenn du ein Holzhaus baust, liegt in den geringeren Kosten, die dir entstehen, etwa für Energie- und Heizkosten. Grund hierfür sind die wirklich erstklassigen, selbstregulierenden Isoliereigenschaften dieses Baustoffes. Diese Eigenschaft wird noch verstärkt, wenn du das Holzhaus ohne Leim bauen kannst, der durch seinen, wenn auch geringen Platzbedarf zwischen den Holzelementen, eventuell dafür sorgt, dass diese Isoliereigenschaft geschwächt wird. Geld sparen kannst du darüber hinaus durch die kürzere Bauzeit und den geringeren Personalaufwand. Außerdem fällt der meist aufwendige Innenausbau zu großen Teilen weg, da keine Wände verputzt, tapeziert oder gestrichen werden müssen. Auch die Verlegung von Fußböden entfällt natürlich. Eine weitere Möglichkeit zu Geld sparen eröffnet sich dir bei einem Holzhaus, indem du vor dem Baubeginn einen Antrag auf staatliche Förderung bei der KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) stellst. Sie unterstützt vor allem ökologisch wertvolle und energieeffiziente Bauvorhaben mit besonders günstigen Krediten. 

Holzhaus ohne Leim bauen – Bauexperten helfen

Die Errichtung eines Hauses ist schon eine Wissenschaft für sich. Ein Holzhaus ohne Leim bauen zu wollen, ist noch schwieriger und Bauherren, die solch ein Projekt in Angriff nehmen möchten, sind gut beraten, sich von einem Experten beraten und unterstützen zu lassen. Prinzipiell kannst du natürlich auch selbst an die Arbeit gehen und das Holzhaus selbst bauen. Wenn du allerdings handwerklich nicht außerordentlich begabt bist und über vielfältige Fähigkeiten oder fundiertes Wissen verfügst, ist die Suche nach kompetenter Hilfe sinnvoll, um aber Baufehler und damit verbundene Mehrkosten zu vermeiden. Falls du also dir und deiner Familie also ein solches Holzhaus ohne Leim bauen möchtest, empfehle ich dir, dich an ein auf Holzhäuser spezialisiertes Bauunternehmen zu wenden. Solche Firmen kennen sich meistens auch im Bereich der Baubiologie hervorragend aus und sind in der Lage, dich auf alle wichtigen Details hinzuweisen.  

2 Kommentare zu "Holzhaus ohne Leim bauen"

  1. Martin Sarczuk | 4. Januar 2020 um 12:03 |

    Hallo Olaf,
    Ich finde deine Seite sehr toll und informativ! Danke.
    Wir stehen bzgl. Planung eines Holzhauses ganz am Anfang, und ich mache mir gerade Gedanken welche Bauform in Frage kommt. Ich würde zu einem Doppelblock aus Kiefer tendieren, bin mir aber unsicher ob Kernholz oder Leimholz die Richtige Wahl ist.
    Meine Frage Hierzu: Kann man aus „Wohnklimatechnischen“ Gründen Außen mit Leimholz und innen mit Kernholz arbeiten oder würde das außen liegende Leimholz die Atmungsaktivität der Wand beeinflussen und dazu Probleme bei der Setzung verursachen?
    lg Martin S.

  2. Ich würde in keinem Falle den innenliegenden und den außenliegenden Block mit unterschiedlichem Holz bauen und auch nicht in unterschiedlicher Breite. Es ergibt sich ein unterschiedlicher Kondensationspunkt hinsichtlich der Temperatur im Holz und so kondensiert Feuchte in der Wand. Das verdampft zwar, aber ist trotzdem nicht schön für die Dämmung und das Raumklima. Zudem hast Du dann eine unterschiedliche Härte der Wand – das macht zwar nix für die Setzung, aber das Holz bildet dann verstärkt Risse in der weicheren Wand (dem Kernholz).

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